Lange Reihe soll Gemeinschaftsstraße werden

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) hat die Voraussetzungen für die Umsetzung von Gemeinschaftsstraßen in Weiterentwicklung des Shared Space-Prinzips für Hamburg untersuchen lassen. Das Gutachterbüro IGS definiert Shared Space als eine Gestaltungsphilosophie, mit der Stra-ßen in partizipativen Prozessen so gestaltet werden, dass alle Funktionen in ein Gleichgewicht ge-bracht werden und Kraftfahrzeuge eher als Gäste unterwegs sind.

Die Urheber, das Keuning Instituut in den Niederlanden, fassen darunter eine große Palette an von den Bürger/innen vor Ort entwickelten Maßnahmen, vom seit den Siebzigerjahren entwickelten „verkehrsberuhigten (Geschäfts-)Bereich“ bis hin zur Schaffung einer absichtlich ungeordneten, die Eigenverantwortlichkeit der Verkehrsteilnehmer stärkenden Mischverkehrsfläche, die von Hauswand zu Hauswand einheitlich gepflastert ist.

Bei der Suche nach Vorbildern lohnt sich nicht nur der Blick nach Bohmte in Niedersachsen, wo Shared Space im Rahmen eines EU-Projekts umgesetzt wurde, sondern auch in andere Länder. So wurde in der Schweiz die „Begegnungszone“ zur Förderung des Langsamverkehrs eingeführt. In Houten/ Niederlande werden dank der Anlage der Straßen und einer entsprechenden Stadtentwicklung die meisten Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt, obwohl Autos nicht ausgeschlossen sind.

Laut Landeskoalitionsvertrag soll in jedem Bezirk eine Straße im Sinne von Shared Space umgestaltet werden. Im Bezirk Mitte bietet sich die Lange Reihe dafür besonders an. Schon seit vielen Jahren fordern hier Anwohner/innen, lokale Gremien und die Bezirkspolitik für diese lebendige, gut frequentierte urbane Flaniermeile durch St. Georg mit ihren vielen kleinen Läden und Lokalen verkehrsberuhigende Maßnahmen. So wurde bereits in den Achtzigerjahren eine Sperrung für den Durchgangsverkehr mit-tels Schranke gefordert und noch 2006 die Einrichtung einer sog. Kommunaltrasse. Ab 2007 wurde mit den Menschen vor Ort über die Umgestaltung der Langen Reihe zur Gemeinschaftsstraße diskutiert.

Sorgen machen sich angesichts solcher Planungen die Blinden- und Sehbehindertenverbände, weil für diese Menschen Bordsteine, besonders gepflasterte Gehwegstreifen u.a. eine wichtige Orientierung sind und ihr Wegfall für sie lebensgefährlich werden kann. Für sie müssen in diesem Falle neue adä-quate Bodenindikatoren eingebaut werden.

Dies vorausgeschickt, möge die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte beschließen:

1. Die modellhafte Umsetzung einer Gemeinschaftsstraße (Shared Space) wird im Bezirk Mitte für die Lange Reihe geprüft.

2. Anwohnerschaft und Gewerbetreibende werden weiterhin an den Planungen beteiligt.

3. Werden herkömmliche Straßenunterteilungen aufgehoben, so werden unter Beteiligung der Blinden- und Sehbehindertenverbände sog. Leit- und Aufmerksamkeitsstreifen im Straßenbelag mit eingeplant, die durch ihre Rippen- bzw. Noppenstruktur eine taktile Orientierung ermög-lichen.

4. In der Langen Reihe soll eine Bestandsaufnahme der Kfz.-Parkplätze gemacht werden. Es sollen so wenige Parkplätze wie möglich entfallen. Als Ersatz für entfallende Kfz-Stellplätze wer-den die Möglichkeiten des Baus einer Quartiersgarage in St. Georg geprüft.

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