12. Januar 2018

Sanierung des Ledigenheims

Finanzierung gesichert

Der Haushaltsausschuss der Hamburger Bürgerschaft hat soeben in seiner heutigen Sitzung beschlossen, die fehlenden 3.300.000 Millionen Euro zur Sanierung des Ledigenheims in der Neustadt zu bewilligen. Damit kann das historische Gebäude in der Rehhoffstraße denkmalgerecht saniert und als modernes Ledigenheim und kulturelles Zentrum im Herzen der Stadt etabliert werden. Der gemeinsame Einsatz der Stiftung ROS, des Bundes, der Regierungsfraktionen der Hamburger Bürgerschaft und der Regierungskoalition von SPD und GRÜNEN der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte ist somit erfolgreich gewesen. Der Bund steuert mit 9.900.00 Millionen den Löwenanteil zu. Die Stiftung konnte zusätzlich private Spenden generieren, die neben den öffentlichen Geldern entscheidend für die Realisierung des Sanierungsvorhabens mit einem Volumen von ca. 17 Millionen Euro sind.

 

„Ich bin überglücklich, dass nun mit dem Beschluss im Haushaltsausschuss der letzte Teil der Finanzierung gesichert ist. Seit 2011 habe ich mich mit meiner Fraktion für dieses einzigartige Projekt eingesetzt. Dass es jetzt losgehen kann, freut mich vor allem für die Bewohner und die Stiftung. Wer sich jemals mit der Arbeit von Antje Block und Jade Jacobs und ihrer gemeinnützigen Initiative ROS e.V. beschäftigt hat, muss einfach begeistert sein. Beide schaffen mit dem Ledigenheim, Mitten in der Neustadt, einen Ort für kulturelles Leben und erhalten, mit rund 100 kleinen Zimmern, sehr günstigen Wohnraum für alleinstehende Männer in schwierigen Lebenslagen. Ein solches Projekt tut Hamburg gut.“

 

Arik Willner, SPD Bezirks-Fraktionsvorsitzender Hamburg-Mitte.

 

 

Zum Hintergrund:

 

Der „Bauverein zu Hamburg“ beauftragte 1912 die Architekten Heinrich Wilhelm Behrens und Ernst Vicenz im damaligen Sanierungsgebiet der südlichen Neustadt eine Wohnanlage mit kleinen Wohneinheiten für Alleinstehende und Familien zu errichten. Eines der 16 Häuser „dient zum Ledigenheim, in dem unverheiratete Arbeiter Schlafstelle und Verpflegung, Aufenthalts- und Unterhaltungsräume finden.“ Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der Instandsetzung des Ledigenheims wurden die Zimmer an Menschen aller Berufsgruppen und Bevölkerungsschichten vermietet. In der Regel wohnten hier weiterhin Seeleute und Hafenarbeiter. Die Nähe zum Hafen, die günstigen Mieten und die gewachsene Hausgemeinschaft machten das Haus im Stadtteil sehr beliebt.

 

Deutliche Probleme für das weitere Bestehen und Funktionieren des Hamburger Ledigenheims entwickelten sich erst in den letzten Jahrzehnten. Notwendige Renovierungs- und Sanierungsarbeiten wurden nicht mehr vorgenommen. Das Ledigenheim wurde 2009 an einen dänischen Investor verkauft. Dieser wollte das Gebäude in eine moderne Apartmentanlage umbauen. Die Bezirkspolitik konnte das durch die Einrichtung einer sozialen Erhaltensverordnung abwenden. Der Investor verlor das Interesse.  Neue Eigentümerin und Betreiberin wurde dann die gemeinnützige Stiftung ROS.

 

Das Ledigenheim bietet Männern in schwierigen Lebenslagen eine Unterkunft. Das Angebot richtet sich insbesondere an wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Männer, Neuankommende und Flüchtlinge, Senioren, Arbeiter und Männer mit geringem Einkommen sowie temporäre Mieter wie Pendler oder Monteure. Das Ledigenheim hat einen starken integrativen Schwerpunkt. Damit gelingt es, das Zusammenleben von Männern unterschiedlicher Weltanschauungen, Wertesysteme und wirtschaftlicher Möglichkeiten zu gewährleisten.

 

Derzeit leben Männer aus über 16 Nationen, darunter auch Flüchtlinge, im Ledigenheim. Etwa die Hälfte sind Rentner, darunter viele aus dem Seefahrts- und Hafenkontext. Sie sind durch ihre Arbeitsbiografie zum Teil körperlich stark eingeschränkt. Rund die Hälfte der Mietverhältnisse besteht seit über zehn Jahren und rund ein Drittel weit über zwanzig Jahre. Ambulante Hilfsangebote gewährleisten die professionelle Beratung und individuelle Unterstützung der Bewohner. Direkt im Haus ist seit 2013 ein „Professioneller Nachbar“ tätig, der die Alltagsbewältigung niedrigschwellig unterstützt und die Lebensqualität der Bewohner verbessert. Damit können insbesondere alte Männer in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben und eine stationäre Betreuung vermeiden.

 

Das Ledigenheim bietet jedoch nicht nur Wohnraum für besondere Bedarfslagen, sondern darüber hinaus vielfältige kulturelle Angebote und Gemeinschaftsaktivitäten. Diese können auch von den Bewohnerinnen und Bewohnern aus der Nachbarschaft kostenlos in Anspruch genommen werden.

 

Ganz wesentlich für das Konzept des Ledigenheims ist seit 2011 der Betrieb des Stadtteilkulturraums im Erdgeschoss. Durch dessen regelmäßiges Veranstaltungsprogramm ist das Ledigenheim in das Stadtteilleben eingebunden: Jährlich kommen zwischen 3.000 und 5.000 Besucherinnen und Besucher, die durch freiwillige Beiträge oder Spenden den freien Zugang unabhängig von finanziellen Voraussetzungen ermöglichen. Das Ledigenheim ist ein wesentlicher Baustein der sozialräumlichen Angebote im Zentrum Hamburgs, der erfolgreich zur gesamtgesellschaftlichen Integrationsaufgabe in der südlichen Neustadt

beiträgt.

 

Das Gebäude des Ledigenheims soll denkmalgerecht und barrierefrei saniert sowie baulich und konzeptionell in seiner Öffnung zum Quartier weiterentwickelt werden. In drei Bauabschnitten erfolgen von 2017 bis 2022 der Wiederaufbau des kriegszerstörten Dachgeschosses für Quartiersund Gemeinwohlnutzungen, die Sanierung der Obergeschosse mit 96 Zimmern für integrierte Wohnzwecke und die Sanierung der Erdgeschossflächen für quartierbezogene Gemeinschaftsnutzungen. Für die Projektförderung ist das Bezirksamt Hamburg-Mitte zuständig.

 

 

Kontakt für Rückfragen:

 

Dr. Arik Willner, SPD:  0173 8853480