Umbenennung eines Teils der Grabenstraße in Flora-Neumann-Straße

12.11.2009

An der Grabenstraße (auf dem Flurstück Karolinenstraße 35) wird in Kürze das Jüdische Gemeindezentrum in der bisherigen Turnhalle der ehemaligen Israelitischen Töchterschule eröffnet werden. Die Eröffnung des Zentrums stellt – mehr als 60 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus – eine Stärkung des Jüdischen Lebens in Hamburg dar. Wir schlagen daher vor, diesem Ort auch in der Straßenbezeichnung einen Namen zu geben und den nördlichen Teil der Grabenstraße in Flora-Neumann-Straße umzubenennen.

Thomas Stölting

Thomas Stölting

Die jüdische Widerstandskämpferin Flora Neumann wurde 1911 geboren und war Schülerin an der Israelitischen Töchterschule in der Karolinenstraße. 1938 floh sie mit ihrem Sohn nach Belgien und Frankreich und war im Widerstand gegen Hitler aktiv. 1943 wurde sie verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Sie überlebte nicht nur Auschwitz, sondern auch den Todesmarsch nach Ravensbrück. Nach 1945 eröffnete sie gemeinsam mit ihrem Mann im Karolinenviertel eine Wäscherei. Flora Neumann war ein außerordentlich aktives Mitglied der jüdischen Gemeinde in Hamburg und hat an den Hamburger Schulen bis ins hohe Alter als Zeitzeugin Tausende von Schülerinnen und Schülern über die Nazi-Zeit und den Holocaust aufgeklärt. Flora Neumanns Lebenserinnerungen sind ein bewegendes und seltenes autobiografisches Zeugnis jüdischen Widerstands während der NS-Zeit sowie des Überlebens in Vernichtungslagern. Flora Neumann ist 2005 im Alter von 94 Jahren gestorben. Insofern ist die Benennung einer Straße im Karolinenviertel, an der sich das künftige Jüdische Gemeindezentrum befindet, eine Möglichkeit der Ehrung von Flora Neumann.

Die Grabenstraße macht eine 90-Grad-Biegung und führt von der Marktstraße bis zur Karolinenstraße. Die Nummerierung erfolgt ebenfalls in dieser Richtung. Direkte Anlieger gibt es bisher nur im Haus Grabenstraße 28, sowie in der Grabenstraße 32 und künftig in den Wohnhäusern, die jedoch gerade erst gebaut werden. Eine Umbenennung des nördlichen Teils der Grabenstraße zwischen der 90-Grad-Biegung und der Karolinenstraße würde diesem Ort jüdischen Lebens in Hamburg seine besondere Bedeutung zumessen.

Dies vorausgeschickt, möge die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte beschließen:

Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte spricht sich für die Umbenennung des oben beschriebenen Teils der bisherigen Grabenstraße in Flora-Neumann-Straße aus, und fordert den Bezirksamtsleiter auf, sich gegenüber den zuständigen Stellen für eine rasche Umbenennung einzusetzen.

Die Umbenennung sollte in jedem Fall erfolgt sein, bevor das Jüdische Gemeindezentrum eröffnet und die geplanten Gebäude in der bisherigen Grabenstraße gebaut sind.

Das künftige Jüdische Gemeindezentrum sollte dann eine Adresse mit der Hausnummer 1 in der dann so benannten Flora-Neumann-Straße bekommen.

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