Workshop-Verfahrens für das Real Markt-Gelände
Das großflächige Grundstück Neuer Kamp 31 / Ecke Neuer Pferdemarkt befindet sich im Eigentum der FHH und wird von der städtischen Immobiliengesellschaft SPRINKENHOF AG (SpriAG) verwaltet. Das frühere Schlachthofgelände wird seit vielen Jahren von verschiedenen Betreibern als Standort für ein großzügig dimensioniertes SB-Warenhaus genutzt, derzeit von der Handelskette Real. Der aktuelle Mietvertrag läuft zum 31. Dezember 2010 aus.
Das Unternehmen Real hat entschieden, dass es den Markt in St. Pauli-Nord nicht mehr weiter betreiben wird. Im Februar 2009 hat die Zweite real-, SB-Warenhaus GmbH den Markt bereits aus dem Unternehmen ausgegliedert und in eine geson¬derte Gesellschaft, die Vierte real,- SB-Warenhaus GmbH, überführt. Letztere Gesellschaft hat die Aufgabe, den Markt bis spätestens Ende 2009 an einen Wettbewerber abzugeben oder die Schließung abzuwickeln. Um den „Verkauf“ des Marktes an einen Konkurrenten zu ermöglichen bzw. einen höheren Preis zu erzielen, wird derzeit über eine Verlängerung des Mietvertrages mit der FHH um 3 bis 5 Jahre verhandelt. Allen Beteiligten ist bewusst, dass das Grundstück nach Auslaufen des Mietvertrags von der FHH veräußert werden wird und daher ab dem 1.1.2011 bzw. ab 2014 / 2016 zur städtebaulichen Neuordnung / Überplanung ansteht. Dies stellt die Bezirkspolitik vor die Aufgabe, Vorschläge für neue Nutzungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Das Grundstück hat eine exponierte Lage mit großer Bedeutung für den Stadtteil aber auch für Hamburg insgesamt. Insofern kommt es darauf an, Nutzungsmöglichkeiten zu entwickeln, die sowohl dem Stadtteil als auch den Interessen Hamburgs insgesamt gerecht werden und die zugleich eine städtebauliche Aufwertung des Geländes beinhalten. Zusätzlich muss die Verwertung des Geländes den wirtschaftlichen Anforderungen an die Veräußerung städtischen Grundvermögens in angemessenem Umfang Rechnung tragen.
Im Hinblick auf mögliche zukünftige Nutzungen ist von folgendem auszugehen:
- Es handelt sich um eine sehr große Fläche mit weit reichenden theoretischen Nutzungs- und Verwertungsmöglichkeiten. Mehrere große Investoren haben bereits deutliches Interesse an einem Erwerb des Grundstücks erkennen lassen. Gleichzeitig befindet sich die Fläche an den Schnittstellen zum Schanzen- und zum Karoviertel und damit in einer Lage, für die zu Recht Sensibilität im Hinblick auf einschneidende Veränderungen, insb. Aufwertungstendenzen besteht. Es wird daher entscheidend darauf ankommen, eine zwar dem Potential des Grundstücks entsprechende aber vor allem auch stadtteilverträgliche Nutzung zu entwickeln. Die Überplanung darf nicht nur nach finanziellen Verwertungsgesichtpunkten erfolgen sondern muss auch die angrenzenden Quartiere stärken und zusätzliche Belastungen vermeiden.
- Die umliegenden Quartiere haben einen hohen Bedarf an Nahversorgungseinrichtungen, der derzeit durch das SB-Warenhaus gedeckt wird. Am jetzigen Standort sind zudem ca. 150 Arbeitsplätze von einer Schließung des Marktes betroffen. Ein wesentliches Element der neuen Nutzung muss daher dem Bereich Einzelhandel / Märkte zuzuordnen sein. Angebotsbreite und die Zahl der Arbeitsplätze müssen mindestens dem entsprechen, was heute an dem Standort angesiedelt ist. Es sollen insoweit Szenarien entwickelt werden, die eine möglichst bruchlose Überführung der Mitarbeiter in neue Arbeitverhältnisse am Standort ermöglichen.
- Die Bezirksversammlung Mitte drängt bei allen Neuplanungen im innerstädtischen Bereich stets – und oft erfolgreich – auf zusätzlichen Wohnungsbau. Der nun zu prüfende Standort weist jedoch erhebliche Einschränkungen für das Wohnen auf. Dazu zählen insbesondere Immissionen von Hauptverkehrstraßen (Budapester Straße, Neuer Kamp, Neuer Pferdemarkt) sowie eine erhebliche Verlärmung durch die in unmittelbarer Nähe befindlichen Veranstaltungsorte Heiligengeistfeld und St. Pauli-Stadion. Aufgrund der erheblichen erkennbaren Konfliktlagen, erscheint der Standort für Wohnnutzungen ungeeignet.
- Eine massive und einheitliche Bürobebauung, wie sie z.B. für eine Konzernzentrale oder vergleichbares erforderlich wäre, ist nicht stadtteilverträglich und widerspricht den umliegenden städtebaulichen Strukturen. Gleichwohl braucht ein solcher Standort prägende Nutzungselemente von einigem Gewicht, die dem Areal insgesamt ein Gesicht und eine Struktur geben. Aufgrund der Affinität des Standorts zur Musikbranche und insbesondere zur Livemusik wäre die Errichtung einer Musikveranstaltungshalle in mittlerer Größenordnung, für die es in Hamburg großen Bedarf gibt, eine gut geeignete Nutzung. Damit könnte St. Pauli seine Position als Live-Musik-Standort festigen und eine sinnvolle Ergänzung zu den umliegenden Live-Musik-Clubs und anderen Einrichtungen der Musikwirtschaft (Karostar, Musikbunker Feldstraße etc.) entstehen.
- Um die Quartiersverträglichkeit der neuen Nutzung zu gewährleisten ist insgesamt eine kleinteilige Struktur vorzusehen. Dies gilt auch für die beiden Kernnutzungen Musikveranstaltungshalle und Einzelhandel, die jeweils keine Dominanz auf dem Gesamtgrundstück erhalten sollen. Als weitere kleinteilige Nutzungen kommen in Betracht: wohnunverträgliches Gewerbe (z.B. Lärm emittierende Handwerksbetriebe, für die häufig in den umliegenden Wohnquartieren kein Raum bleibt), Büroflächen etwa für Kreativ- und Musikwirtschaft, Gastronomie, gemeinnützige und kulturelle Nutzungen.
- Im Hinblick auf die städtebauliche Gestaltung gilt zudem folgendes: Bei einer Überplanung des Geländes muss die städtebauliche Einfassung des Neuen Pferdemarktes berücksichtigt werden, bei der der Platzcharakter des Neuen Pferdemarktes betont wird. An der Straße Neuer Kamp müssen der Geh- und der Fahrradweg verbreitert werden, da die jetzige Situation schon seit langem nicht mehr haltbar ist. Bei der gesamten Planung ist zu berücksichtigen, dass die erforderlichen Parkplätze in einer Tiefgarage realisiert werden, so dass es durch die künftigen Nutzungen nicht zu einer Belastung der angrenzenden Wohngebiete kommt. Bei der Prüfung ist zu berücksichtigen, dass im Obergeschoss des jetzigen Hauptgebäudes eine große Anzahl Stellplätze auch für AnwohnerInnen zu günstigen Konditionen vorgehalten wird.
Um für das Gelände ein tragfähiges städtebauliches Konzept auf der Basis der genannten sowie ggf. weiterer städtebaulicher und anderer Vorgaben zu entwickeln, soll ein städtebaulicher Ideenwettbewerb in Gestalt eines Workshop-Verfahrens durchgeführt werden, der die Grundlagen für eine städtebaulich attraktive, stadtteilverträgliche und wirtschaftlich darstellbare Nutzung erarbeitet.
Deshalb hat der Hauptausschuss Hamburg-Mitte gemäß § 15 Absatz 3 BezVG an Stelle der Bezirksversammlung beschlossen:
1. Die Bezirksversammlung fordert den Bezirksamtsleiter auf, schnellstmöglich ein Workshop-Verfahren für einen städtebaulichen Ideenwettbewerb für die Fläche des jetzigen „real,-“ Markts und seiner Nebenflächen und -gebäude am Neuen Kamp (Ecke Neuer Pferdemarkt), St. Pauli-Nord, zu initiieren. In dem Workshop sind die o.g. Kriterien und Eckpunkte zu Grunde zu legen.
2. Die Bezirksversammlung stellt dafür aus einem geeigneten bezirklichen Fonds eine Summe von bis zu 50.000 € für die Durchführung des Workshop-Verfahrens zur Verfügung.
3. Der Workshop sollte schnellstmöglich durchgeführt werden.
4. Darüber hinaus möge sich der Bezirksamtsleiter gegenüber der Finanzbehörde Immobilienmanagement dafür einsetzen, keine weiteren Schritte zur Verlängerung der Mietverträge oder zur Veräußerung der Flächen und Gebäude einzuleiten, bevor das Workshop-Verfahren nicht abgeschlossen ist.
5. Der Bezirksamtsleiter wird weiter aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass die Arbeitsplätze der jetzigen Real-Mitarbeiter auch bei einer neuen Nutzung des Geländes erhalten bleiben und hierfür ggf. auch Übergangslösungen und zwischenzeitliche Ausweichstandorte zu unterstützen.
6. Der Stadtplanungsausschuss sowie die Beteiligungsgremien der angrenzenden Quartiere sind zu beteiligen und regelmäßig zu unterrichten.

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