25. Juli 2014

Am 24. August

ein großes NEIN zur Seilbahn

Die SPD Fraktion in Hamburg-Mitte spricht sich klar gegen den vorgelegten Vorschlag zum Bau einer Seilbahn von St.Pauli/Neustadt zu den Musical-Theatern aus. Dies sind unsere wichtigsten Gründe:

Elbe und Hafen mit der charakteristischen Silhouette von der St.Pauli Hafenkrone über die Landungsbrücken, Bismark und Michel bis zu den Kirchtürmen der Innenstadt und den Hafenkränen gegenüber, prägen unser Stadtbild und unsere Identität wie kein anderer Ort. Der lebendige Hafen- und Schifffahrtsbetrieb mitten in der Stadt machen Hamburg weltweit einzigartig. Er ist Anziehungspunkt für Hamburgerinnen und Hamburger, Besucherinnen und Besucher. Die Erlebbarkeit des Hafens entsteht durch die Berührung von Wasser und Schiffen. Mit dem Bau einer darüber hinwegschwebenden Seilbahn als künstliche Attraktion wird das authentische Hamburg-Erlebnis in Frage gestellt. Der Nachbau einer Attraktion Seilbahn ähnlich wie in Koblenz, Rüdesheim, Köln oder Stuttgart verwässert die Einzigartigkeit Hamburgs und beschädigt seine Identität.

 

Eine Seilbahn ist kein öffentliches Verkehrsmittel!

Stimmen für die Seilbahn wurden vom Betreiber mit Hochdruck und bezahlten Kräften unter anderem mit dem Argument eingeworben, dass eine Erweiterung der Strecke bis nach Wilhelmsburg möglich wäre und so eine verkehrspolitisch interessante Anbindung des großen Stadtteils auf der Südseite der Elbe in Aussicht stellt. Allerdings ist von dieser Idee nicht viel übrig geblieben: Im Hafengebiet wird es niemals eine Seilbahn geben. Die Gesetze lassen dies nicht zu. Eine Verlängerung der Seilbahn bis nach Wilhelmsburg kommt daher nicht in Betracht. Somit erfüllt die Seilbahn in der vorgeschlagenen Form keinen Zweck innerhalb des Verkehrskonzeptes des öffentlichen Nahverkehrs, sondern dient alleine dazu, mehr Besucher zu den Musicaltheatern der Stage über die Elbe zu bringen. Wer will schon nach Steinwerder?

Keine Seilbahn über die Köpfe der Bewohnerinnen und Bewohner hinweg!

Die Neustadt und St.Pauli sind in erster Linie Heimat von vielen tausend Menschen. Diese würden mit der Seilbahn von morgens bis abends konfrontiert sein. Die Seilbahn wäre eine Dauerveranstaltung, ein Dauerevent. Die Belastung durch Großveranstaltungen auf der Reeperbahn, am Hafen, auf den Plätzen der Neustadt sowie auf dem Heiligengeistfeld zeigen bereits zur heutigen Zeit, dass es keine Kapazitäten mehr gibt, noch mehr PKW von Besuchern aufzunehmen, die nicht auf die Anreise mit dem eigenen Fahrzeug verzichten wollen. Es ist zu erwarten, dass täglich ca. 5.000 Menschen die Seilbahn nutzen und diese ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen werden. Doch diese Vorhersage ist nicht zu belegen. Ganz im Gegenteil! Die Erfahrungen zeigen, dass bereits bei zeitlich begrenzten Veranstaltungen Besucher gerne mit Privatfahrzeugen anreisen und sich dann auf Parkplatzsuche in den angrenzenden Wohngebieten begeben. Die Glacischaussee wird an bestimmten Tagen sogar vollkommen abgesperrt und als Parkplatz genutzt, wenn mit einem zu hohen Besucheraufkommen beim DOM gerechnet wird. Auch Haltebereiche für Reisebusse sind bei einer solchen Attraktion wie die Seilbahn und insbesondere mit Verbindung zu den Stage Musicals zwingend notwendig. Ein schlüssiges Verkehrskonzept, wie die Besucherströme die Seilbahn erreichen sollen und wo PKW und Busse parken könnten, liegt nicht vor.

Seilbahn zerstört historischen Elbpark

Weiter spricht gegen den Bau einer Seilbahn mit dem geplanten Startpunkt im alten Elbpark, dass für diesen historischen Park, der bis heute die alte Grenze zwischen der Stadt und dem Land markiert, massive Eingriffe ins Grün und in die Parkstruktur zu erwarten sind. Es handelt sich bei diesem innenstädtischen Grün um ein Naherholungsgebiet, das insbesondere von den Anwohnern aus der Neustadt, aber auch von den Bewohnern aus der Seniorenanlage im Zirkusweg genutzt wird. Ein solcher Eingriff für eine rein touristische Attraktion ist nicht hinnehmbar. Die Seilbahn schneidet durch den historischen Stadtgrundriss. Der Eingang zu den historischen Wallanlagen wird dann überbaut. Die Ablesbarkeit der Stadtgeschichte verschwindet.

Seilbahn beschädigt das Stadtbild

Die Pylone (der Pfeiler) soll vor das historische Bismarckdenkmal gesetzt werden. Im Klartext heißt das, dass durch den Niveauunterschied der Ebenen die Seilbahn mit den Tanzenden Türmen abschließen würde! Die geplanten Gondeln sollen bis zu 30 Personen fassen. Sie werden über den Elbpark, den Stintfang mit Jugendherberge und Weinberg und die Landungsbrücken hinweg fahren. Auch wenn der Betreiber behauptet, dass der Blick auf Hamburgs Sehenswürdigkeiten nicht beeinträchtigt würde, bleibt diese Aussage fraglich, werden die riesigen Gondeln doch etwa auf der Höhe der Plattform des Michels in 82 Metern Höhe sein! Die Fahrgäste wären somit auf Augenhöhe mit den Besuchern unseres Michels als Wahrzeichen der Stadt.

Somit steht fest: Die Seilbahn würde das Stadtbild durchschneiden und nachhaltig verändern.

Fahrpreis ist zu hoch!

Stage Entertainment wirbt damit, dass auch der „normale“ Hamburger Bürger von dieser Seilbahn profitieren wird. Aber wie? Fakt ist, dass der Fahrpreis bei 5 bis 15 Euro liegen soll. Somit ist dieser viel zu hoch angesiedelt, um beispielsweise Arbeiter an das gegenüberliegende Elbufer zu bringen. Sie ist damit keine Alternative zur Nutzung des Alten Elbtunnels, den man mit PKW, zu Fuß oder dem Fahrrad kostenlos nutzen kann oder zu den Elbfähren innerhalb des HVV.

Zahlt am Ende doch der Steuerzahler?

Nicht zuletzt sollte bedacht werden, dass dies nicht das erste Geschenk an die Stadt wäre, das den Steuerzahler dann letztendlich doch erhebliche Zahlungen aufbürden könnte. Bisher beteuert die Stage Entertainment zwar, dass die Kosten zu 100 Prozent übernommen werden würden, doch die Erfahrung mit anderen Großprojekten in der Stadt zeigt leider, dass so ein Versprechen schneller ausgesprochen ist, als dass es gehalten werden kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Investor Hilfe von der Stadt benötigt, um das Projekt zu Ende zu bringen, liegt aus vergangenen Erfahrungen zu hoch, als dass man hier entspannt von einer reinen Privatinvestition reden kann.

Es gibt Alternativen zu dieser Seilbahn

Bisher wird diese Strecke über die Elbe mit Barkassen bewältigt, was für die Besucher der Hansestadt Hamburg im besonderen Maße attraktiv ist, gehören Elbe und Bootsfahrt doch zusammen. Insbesondere die Touristen, die ein Musical besuchen, erfreuen sich immer wieder an der Überfahrt mit dem Schiff. Die Hamburger Barkassenbetreiber sind eng in diesen Ablauf eingebunden. Warum sollte ein so attraktives Alleinstellungsmerkmal für den Besuch eines Musicals nicht weiter genutzt werden? Woher kommt der Druck, hier etwas Neues zu schaffen, was die Funktion der Musicalfähren einfach nur doppelt? Für das zweite Musicaltheater wurde extra noch ein zweiter Fähranleger gebaut, so dass genügend Kapazitäten vorhanden sind. Warum soll also ein, für den Hamburger Hafen und seine Tradition so fremdes Element errichtet werden?

 

Fazit: Nein zur Seilbahn!

 

Am Ende ist eines wichtig:

Entscheiden Sie über das konkret vorliegende Projekt. Mit Ihrem NEIN, stimmen Sie nicht generell gegen eine Seilbahn in Hamburg, sondern gegen dieses Konzept, welches Ihnen nun vorgelegt wurde. Im Interesse des Bezirks und dessen Bewohner, insbesondere im innenstädtischen Bereich darf keine Seilbahn an der Stelle entstehen!

Politik muss immer die Argumente auf der einen und auf der anderen Seite abwägen, um zu einer Entscheidung zu kommen. Bei diesem konkreten Vorhaben überwiegen die Argumente gegen eine Zustimmung zum Bau der Seilbahn. Stimmen Sie also mit NEIN und schonen Sie die Menschen in der Innenstadt und ihren Geldbeutel als Steuerzahler.