11. Februar 2021 Philipp Urban

Obdachlosigkeit langfristig beenden – Housing-First umsetzen

Paradigmenwechsel in der Bekämpfung von Obdachlosigkeit

Der Ausschuss für Sozialraumentwicklung in Hamburg-Mitte hat am Donnerstag, dem 11.02.2020 einen interfraktionellen Antrag der SPD, CDU, FDP, Grünen und Fraktion die Linke beschlossen, der einen Paradigmenwechsel in der Bekämpfung von Obdachlosigkeit voranbringen soll.

Die Bezirksverwaltung Hamburg-Mitte wird aufgefordert, zusammen mit der Sozialbehörde und aktiven Trägern der Obdachlosenhilfe ein Housing-First Konzept zu initiieren. Dieses soll langfristig dazu beitragen, die Zahl von obdachlosen Menschen in Hamburg signifikant zu senken. Ferner ist die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte gerne bereit, dass der Bezirk für ein Modellprojekt zur Verfügung steht, um obdachlose Menschen dezentral und in eigenen Wohnungen unterzubringen.

Obwohl Hamburg deutschlandweit eines der besten Hilfesysteme und ein großes ehrenamtliches Hilfenetz für obdachlose Menschen bietet, erfrieren im Winter dennoch immer wieder Obdachlose auf unseren Straßen. Durch die Pandemie wird die Situation für obdachlose Menschen noch gefährlicher. Durch den Antrag auf Bezirksebene unterstreichen nun die Bezirksfraktionen in Hamburg-Mitte die Dringlichkeit und die Bedeutung von Housing-First.

Housing-First bedeutet, dass Obdachlose dezentral, ohne Vorbedingungen eine Wohnung (mit eigenem Mietvertrag) erhalten und nach dem Einzug Unterstützung von SozialarbeiterInnen in Anspruch nehmen können, wenn sie das möchten.  Im Gegensatz zu anderen betreuten Wohnformen entkoppelt folglich Housing-First das Mietverhältnis vom Unterstützungsangebot und setzt für den Bezug der eigenen Wohnung keine Bewährung in stufenweisen vorangegangenen Hilfemaßnahmen oder die Bereitschaft zu Abstinenz, Therapie, beruflicher (Wieder-) Eingliederung oder anderen vereinbarten Hilfezielen voraus. Gleichzeitig macht ein multiprofessionelles Team ein ständiges, offensives und individuelles Unterstützungsangebot. Housing-First gibt es in verschiedenen Konzeptionen und mit verschiedenen Schwerpunkten. Der international erprobte Einsatz verspricht eine deutlich höhere Erfolgsquote in der Bekämpfung von Obdachlosigkeit als herkömmliche Ansätze.

 

Dazu Yannick Regh (Stellv. Fraktionsvorsitzender und Sprecher im Sozialraumentwicklungsausschuss für die SPD-Fraktion):

Wir brauchen Lösungen und keine Symptombekämpfung, damit Menschen dauerhaft aus der Obdachlosigkeit herauskommen. Daher werden wir die Umsetzung von Housing-First in Hamburg für Obdachlose mit Nachdruck voranbringen. Das ist ein wichtiger Beitrag, um Menschen langfristig von der Straße zu holen und eine Perspektive in einem selbstbestimmten Leben in den eigenen vier Wänden zu bieten. Die Einzelunterbringung ermöglicht auch, dass ein sicheres Umfeld geschaffen wird, indem sich Obdachlose gesundheitlich erholen können.“

 

Stefan Busch (Sprecher im Sozialraumentwicklungsausschuss für die CDU-Fraktion):

„Mit der Umsetzung des Konzeptes Housing-First wollen wir obdachlosen Menschen ein weiteres, neues Angebot der dezentralen Wohnungsunterbringung anbieten. Die Basis bilden die eigenen vier Wände und eine intensive Betreuung durch die Unterstützungssysteme der Sozialarbeit. Da wir diese Aufgabe als gesamtstädtische Aufgabe verstehen würden wir uns freuen, wenn sich weitere Bezirke an dem Modellprojekt beteiligen.“

 

Dian Diaman (Sprecher im Sozialraumentwicklungsausschuss für die FDP-Fraktion):

„In Deutschland haben Obdachlose einen Anspruch auf Unterbringung und die Kommunen sind verpflichtet Unterkünfte anzubieten. Im Gegensatz zu den konventionellen Arten der Unterbringung steht beim Housing-First Konzept das Wohnen in der eigenen Wohnung im Vordergrund. Diese Ausgangslage, gemeinsam mit einer Unterstützung durch Soziale Arbeit, bildet ein solides Fundament um Obdachlosigkeit nachhaltig zu bekämpfen. Die meisten Obdachlosen halten sich zwar im Bezirk Hamburg-Mitte auf, aber es handelt sich um ein gesamtstädtisches Problem, die die Mitarbeit aller Bezirke bedarf.“

Bei Rückfragen:

Yannick Regh, 0152 568 232 89

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